Scriptis Verbis · Band 6 der Reihe
Scire ad sciendum
Wissen um des Wissens willen
Eisenburg liegt hinter ihm. Was William von dort mitbringt, steht in keinem Bericht: der Name eines Toten, den er nicht vergessen kann — und die Frage, welchen Anteil er selbst an diesem Tod trägt.
Zurück an der Akademie der Inquisition beginnt das zweite Lehrjahr, das Jahr der Entscheidung: Zum ersten Mal müssen die Anwärter eine der fünf Künste wählen. William wählt die Ars Medica, die Kunst der Heiler und Totenleser — nicht aus Berufung, wie er sich einredet, sondern weil er dort die Gewissheit zu finden hofft, die Eisenburg ihm genommen hat. Er lernt, Körper zu lesen wie Texte, und begreift: Die Toten sprechen präziser als die Lebenden.
Doch je tiefer er in die Kunst eindringt, desto lauter wird eine Frage, die kein Buch beantwortet. Zwischen Schauhaus und Archiv, einem Fall, der die Akademie selbst erreicht, und einem Menschen, der ihm näherkommt, als er zulassen wollte, erkennt William: Die gefährlichsten Rätsel stehen nicht in den Büchern — sie sitzen mit ihm am Tisch.
„Was ist Wissen wert, wenn das Herz leer bleibt?“