Kapitel 1 · Ein Platz an der Straße
Als Caspian erwachte, stand der Wagen noch vor dem Holzstapel. Ein Rad verdeckte den unteren Teil der Küchentür. Dahinter bewegte sich Licht, und er hörte die Frau etwas sagen, worauf der ältere Mann mit einem Husten antwortete.
Eine Weile blieb er liegen. Seine Schulter fühlte sich beim ersten Versuch, den Arm zu heben, an, als habe er die Säcke über Nacht weitergetragen. Er bewegte die Finger und drückte die Hand gegen die Erde. Der Boden war trocken. Neben seinem Knie lag die Tasche, so eng an die Mauer geschoben, wie er sie am Abend abgestellt hatte.
Er setzte sich auf.
Der kurze Faden war unter den Rand der Decke geraten. Caspian zog ihn hervor, wickelte ihn um zwei Finger und steckte ihn ein. Dann schüttelte er die Decke aus, legte sie über dem Holz zusammen und versuchte, die eingerissene Ecke unter die übrigen Falten zu schieben. Beim zweiten Anlauf gelang es. Er nahm die Tasche, stellte sie an die Mauer und wartete, bis die Frau aus der Tür trat.
»Ihr seid schon auf«, sagte sie.
»Ich wollte Euch fragen, ob Ihr noch Hilfe braucht.«
Sie trug ein Brett unter dem Arm und hielt mit der freien Hand die Tür fest. Caspian nahm sie ihr ab. Die Frau ging an ihm vorbei und legte das Brett auf den Tisch.
»Beim Essen habt Ihr gestern gesagt, Ihr wolltet weiter.«
»Das möchte ich auch. Wenn ich vorher etwas verdienen könnte, das bis Rußhof reicht, käme ich besser an.«
Sie musterte ihn kurz. Dann sah sie zum Wagen.
»Fragt ihn. Das Rad soll heute endlich aufhören zu reden.«
Der ältere Mann war hinter ihr herausgekommen. Er hatte das Werkzeug vom Vorabend in der Hand und blickte so missmutig zur Achse, als habe sie ihm durch ihre bloße Anwesenheit eine Antwort gegeben.
Er ließ ihn das Rad stützen, während er sich an der Achse zu schaffen machte. Caspian richtete sich so ein, dass die Last auf beiden Armen lag. Der vertraute Zug in den Schultern half ihm, wach zu werden. Er sah auf den Scheitel unter sich, auf eine kahle Stelle zwischen grauen Haaren. Dieser Mann hatte gestern so ausgesehen und würde morgen noch hier an seinem Wagen fluchen können.
»Rußhof also«, sagte er unter der Ladefläche. »Habt Ihr dort jemanden?«
»Ich will weiter nach Eisenburg.«
»Dann nehmt genug mit. Vor den Toren warten sie gern, bis man hungrig wird.«
Caspian fragte ihn nach dem Weg. Er ließ ihn erklären, auch den Teil, den die Frau bereits beschrieben hatte. Der Mann erzählte von einer Abzweigung und geriet darüber in Ärger, dass dort der alte Wegweiser noch stand. Caspian hörte ihm zu. Gestern hätte ihn ein falscher Wegweiser noch daran zweifeln lassen, ob er überhaupt fortgekommen war. Jetzt merkte er sich den Fehler im Holz und den richtigen Weg dahinter.
Als der Jüngere kam, übernahm er Caspians Platz. Der Ältere schob den Wagen zur Probe durch den Hof. Das Rad knarrte noch immer. Er behauptete, es klinge besser, und beide anderen ließen es gelten.
Die Frau kam mit einem in Tuch gewickelten Stück Brot aus der Küche.
»Für unterwegs«, sagte sie zu Caspian. »Und hier ist Wasser. Die Flasche will ich nicht zurückhaben. Wenn Ihr den Henkel benutzt, fällt sie Euch herunter.«
Sie hatte ein kleines, verschlossenes Tongefäß auf den Tisch gestellt. Ein Stück des Henkels fehlte. Caspian fasste es um den Bauch und bedankte sich.
»Ihr müsst das Brot heute essen«, fügte sie hinzu.
»Das wird mir gelingen.«
Er steckte es ein, versorgte die Flasche so, dass sie gegen keine harte Kante schlug, und nahm seine Tasche. Der Jüngere strich mit dem Handballen über die Ladefläche.
»Wenn Ihr in Eisenburg seid, fragt, ob dort jemand ohne Mehl arbeitet.«
»Wem soll ich die Antwort schicken?«
Der Mann sah zur Küchentür und senkte ein wenig die Stimme.
»Dann lasst es lieber.«
Die Frau hörte ihn trotzdem. »Ihr könnt Euch beide noch eine halbe Stunde hier Geschichten erzählen. Der Wagen muss los.«
Caspian trat zum Tor. Der ältere Mann hob kurz die Hand; die Frau nannte noch einmal den Weg auf dieser Seite der Brücke. Er sagte, dass er ihn sich gemerkt habe. Erst draußen fiel ihm auf, dass er ihre Namen weiterhin nicht kannte. Als die Frau noch einmal zu ihm sah, hob er die Hand und wandte sich zur Straße.
***
Das Wasser unter der Brücke lief träge an den Pfeilern vorbei. An der Stelle, an der er gestern gestanden hatte, wartete nun ein Kind auf einen Mann, der seinen Karren durch die enge Zufahrt zog. Caspian ließ die beiden durch und bog vor der Brücke in den bezeichneten Weg ein.
Er war noch nicht weit gegangen, als der Riemen zu drücken begann.
Caspian hob die Tasche höher, hielt sie einige Schritte mit der Hand und wechselte sie dann auf die andere Seite. Das ging. Er konnte gehen, den Schritt verlängern, einer tiefen Spur ausweichen und wieder in seinen Rhythmus finden. Der Weg verlangte nichts von ihm, das erst erraten werden musste. Hinter einem Zaun schlug jemand mit einem Holz gegen einen Pfosten. Der Laut kam langsamer als seine Schritte. Irgendwann hörte er ihn nicht mehr.
Die Luft war feucht genug, dass die Kleider an den Armen kühl blieben. Von den Blättern der Hecke tropfte Wasser, sobald ein Vogel darin aufflog. Er hielt sich auf dem festen Rand, wo andere vor ihm gegangen waren. Einmal versuchte er den kürzeren Weg um eine ausgefahrene Biegung und sank mit dem Absatz ein. Er kehrte zur Spur zurück, ohne das Land nach einem versteckten Zeichen abzusuchen.
Er hätte sich über diese einfache Vernunft gern länger gefreut. Schon nach der nächsten Biegung dachte er an die Frage, die er in Steinbrücke nicht gestellt hatte.
Wie lange?
Gestern hatte es ihm genügt, dass eine Frau wusste, wo ihre Brote lagen. Heute gingen Menschen an ihm vorbei, die während seiner Abwesenheit jeden Morgen aufgestanden waren. Sie hatten etwas vor. Ein Mann trug einen leeren Korb zurück; eine Frau mit zwei Bündeln fragte ihn, ob er den Wagen hinter ihr gesehen habe. Caspian schüttelte den Kopf. Sie blieb einen Augenblick neben ihm stehen, blickte den Weg hinunter und ging dann ungeduldig weiter.
Als er sich nach ihr umdrehte, war sie schon außer Rufweite.
Bei einer Wegteilung stand ein überdachter Anschlag. Ein schmales Brett daneben trug die Richtungen der nächsten Orte. Darunter hatte ein Mann seine Last abgesetzt. Er saß auf einem Stein und drückte mit beiden Daumen gegen den Riemen seines Schuhs. Caspian trat näher, zunächst wegen des Wegweisers.
Oben an der Rückwand hing ein Bild.
Radoshen blickte über ihn hinweg. Der Druck war grob. Die dunkle Fläche unter dem Kinn ließ den Mann schwerer wirken, die Stirn höher; der Zeichner hatte sich Mühe mit einem Blick gegeben, der niemanden um Erlaubnis bitten musste. Darunter standen sein Name und der Titel des Großkönigs. Der Regen hatte am unteren Rand eine bräunliche Spur hinterlassen.
Caspian las die Zeilen darunter. Es ging um die Benutzung der Straße und das Vorzeigen von Nachweisen an den bezeichneten Übergängen. Er las bis zur Datierung, ging mit den Augen zurück und begann noch einmal.
Das Jahr stand deutlich da.
»Ist das ein neuer Anschlag?«, fragte er.
Der Mann auf dem Stein sah auf. »Welcher?«
Caspian deutete auf das Blatt unter dem Bild.
»Der mit den Übergängen.«
»Hat einer vor ein paar Tagen gebracht. Wenn Ihr etwas anderes wissen wollt als das, was draufsteht, müsst Ihr den finden.«
»Mir ging es um das Datum.«
»Das wird wohl stimmen.«
Der Mann sah wieder auf seinen Schuh. Caspian blieb vor dem Anschlag stehen. Er verglich die Jahreszahl mit der letzten, an der er sein Leben draußen noch hatte festmachen können. Er war über diesen Abstand schon in Gedanken hinweggegangen, hatte ihm Monate gegeben, lange Monate, aus denen sich ein Jahr hatte bilden lassen. Nun stand eine Zahl vor ihm, gedruckt für Menschen, die daran nichts Sonderbares finden sollten.
An die drei Jahre.
Er konnte sich bei der Länge seines Aufenthalts irren. Auf der Insel waren die Tage ineinandergeraten; später hatte er manches an Wegen und Nächten gemessen, denen er ebenso wenig trauen durfte. Dennoch passten drei Jahre nicht in das Maß, das er mitgebracht hatte. Er bewegte die Lippen, als würde eine andere Reihenfolge der Zahlen den Abstand verkleinern.
»Habt Ihr das Jahr nicht gewusst?«
Der Mann hatte seine Bemühung am Schuh unterbrochen.
»Ich war lange fort.«
»Das Jahr nehmen sie doch mit.«
Caspian sah ihn an. Der Mann wartete kurz, ob daraus noch etwas Verständliches würde, und beugte sich dann wieder vor.
»Mein Bruder hat auch einmal einen Winter ausgelassen«, sagte er. »Er war zur Ernte weg und kam erst wieder, als wir die neue Saat im Boden hatten. Hinterher war er jedes Mal erstaunt, dass inzwischen jemand ein Kind bekommen hatte.«
»Kam er zurecht?«
»Mit den Kindern?«
»Mit dem, was sich verändert hatte.«
Der Mann zog am Riemen, verzog das Gesicht und gab auf.
»Er hat immer noch behauptet, der kleinere Stall sei der bessere. Der war schon vor seiner Abreise zu klein gewesen.«
Caspian nickte, obwohl das kaum eine Antwort auf seine Frage war. Der Mann stand auf, trat vorsichtig mit dem Fuß auf und fluchte leise. Dann nahm er seine Last.
»Rußhof dort«, sagte er, weil Caspian noch immer vor den Richtungsangaben stand. »Der andere Weg bringt Euch zu den Höfen.«
»Danke.«
Er ließ ihn gehen. Radoshens Gesicht blieb über dem leeren Stein zurück.
Ansel hatte am Hof neben ihm gesessen. Caspian erinnerte sich an seine Hand auf dem Knie, an das Wasser, das sie vor der Audienz in ihrem Zimmer zurückgelassen hatten. Der König hatte ihn mit seinem ganzen Namen begrüßt und seine Familiengeschichte zu einer Hoffnung gemacht, ehe Caspian auch nur hatte sitzen dürfen. Dieses Gesicht gehörte einem Mann, der sein Gesicht gesehen hatte.
Er versuchte, sich selbst so zu betrachten, wie ein Fremder es tun würde. Die Zeit hatte an ihm gearbeitet. Niemand musste ihn sofort erkennen. Aber Radoshen war nun an Orten gegenwärtig, an denen ein unbekannter Mann seinen Schuh band. Sein Name hing an der Straße. Caspians eigener hätte daneben auf einem anderen Blatt stehen können.
Er suchte die übrigen Anschläge mit den Augen ab. Wegbestimmungen, eine verlorene Last, eine Mitteilung über einen gesperrten Übergang. Kein Name, der ihm gehörte.
Das beantwortete wenig.
Lyra war mit zwei Pferden gekommen, mit Wasser und Essen, vorbereitet für einen Mann, den sie hatte zurückbringen sollen. Ihn und das Buch. Später hatte sie ihm von Silas und dem Meister erzählt, von dem Gespräch über seine Flucht aus ihrer Kontrolle. Er wusste noch, wie sehr er sich damals an die Möglichkeit geklammert hatte, dass diese Menschen etwas nicht wussten. Nun war seine eigene Unkenntnis gewachsen. Jahre konnten eine Suche beenden. Sie konnten auch genügen, sie geduldiger zu machen.
Die Leute in Steinbrücke kannten Caspian. Er hatte ihnen den Namen gegeben, als die Frau ihn nach einem Arbeitstag gefragt hatte. Er wollte diese Erinnerung behalten können, ohne ihr im Nachhinein einen Fehler anzuhängen. Für die nächsten Menschen würde er einen anderen brauchen.
Er probierte ihn leise, während er weiterging.
Raban.
Der Name verlangte beim Sprechen wenig von ihm. Er hing an keiner Stimme, die ihm aus dem Bild über der Straße antworten würde.
***
Vor Rußhof setzte er sich auf einen umgestürzten Stamm und aß die Hälfte des Brotes. Er hatte den Hunger zu lange übergangen. Als er den ersten Bissen im Mund hatte, wollte er hastig weitermachen, nahm aber das Wasser und trank langsam. Ein paar Krümel fielen auf seine Hose. Er sammelte sie in der Hand, ohne darüber nachzudenken.
Er könnte nach Eisenburg kommen und William längst verloren haben.
Der Gedanke stellte sich zwischen die wenigen Dinge, die er für die Reise ordnen konnte. Seine letzte Begegnung mit William hatte ihm einen Menschen hinterlassen, den er wiederfinden wollte: einen Mann, der zugehört und dennoch Antworten verlangt hatte, die sich prüfen ließen. Während Caspian durch einen fremden Wald gegangen war, konnte dieser Mann fortgezogen, gestorben oder der Inquisition auf eine Weise verpflichtet worden sein, die jede frühere Möglichkeit verschloss.
Er wusste es nicht. Er würde fragen müssen.
Der Rest des Brotes war groß genug für später. Caspian wickelte ihn ein und stand auf. Dabei kam ein Mann mit einem Handkarren an ihm vorbei und betrachtete den Stamm, als überlege er, ob ein Halt seine Verspätung noch vergrößern würde. Er ging weiter. Caspian folgte in etwas Abstand.
Die Häuser wurden dichter. Zäune endeten an Lagertoren; unter einem Vordach hingen leere Säcke. Der Geruch von nassem Holz und Tierdung lag zwischen den Gebäuden. Hinter einer Mauer rief jemand mehrmals denselben Namen, bis aus einem anderen Hof eine gereizte Antwort kam.
Caspian hatte Rußhof erreicht.
An einem Tor hielt der Handkarren vor ihm an. Der Mann bat einen Jungen, nach dem Verantwortlichen zu suchen, und wartete. Caspian ging daran vorbei und hörte aus dem nächsten Hof einen dumpfen Schlag.
»Zurück. Ich sage zurück, verflucht.«
Ein breiter Rahmen steckte im Durchgang fest. Der Mann dahinter versuchte, seinem Helfer etwas zu zeigen; der zog weiter und schimpfte, dass er bald losmüsse. Caspian stellte die Tasche ab und ging zu ihnen. Als sie zu dritt waren, bekamen sie das Holz durch die Tür. Der Mann mit der rauen Stimme hielt auf Caspians Bitte kurz an, damit er den schmerzenden Arm entlasten konnte. Dann setzten sie den Rahmen an der Wand ab.
Der Helfer ging sofort. Sein Begleiter rief ihm nach, doch er hob nur die Hand, ohne sich umzusehen.
»Er hat gesagt, bis wir fertig sind.« Der Zurückgebliebene wischte sich den Hals ab. »Das hat er gesagt. Nun erklärt er morgen wieder, ich hätte ihm zu wenig gegeben.«
»Bezahlt Ihr ihn?«
»Aus meinem Anteil. Der Auftrag reicht für zwei, wenn beide auch da sind.«
Caspian sah auf die zwei Rahmen, die noch im Raum standen. Der Mann folgte seinem Blick.
»Ihr müsst mir jetzt nichts erklären. Ich habe gehört, wie freundlich ich gerufen habe.«
Caspian lachte. Der andere blinzelte, als habe ihn der Laut überrascht. Dann wischte er mit dem Ärmel über die schweißnasse Stirn.
»Habt Ihr ihn deshalb fortgeschickt?«, fragte Caspian.
»Er hat sich selbst fortgeschickt. Er hört mich auch morgen wieder.«
Seine Mundwinkel bewegten sich kurz. Er prüfte die untere Kante des Rahmens und richtete sich langsam auf. Caspian kannte das Rechnen vor einer Arbeit, bei der jemand anderes über die Bezahlung entschied. Er hatte mit Leontao lange genug an Netzen gesessen, um sich den Rest dieses Nachmittags vorstellen zu können.
Der Mann wollte wissen, ob er zu jemandem wolle.
»Ich suche Arbeit. Für heute zunächst.«
»Zunächst suchen hier alle für heute. Morgen sind manche beleidigt, wenn man sie wieder brauchen kann.«
»Ich möchte nach Eisenburg.«
»Dann liegt Ihr richtig. Aber wenn Ihr heute noch zu Fuß weiterwollt, solltet Ihr Euch beeilen.«
Caspian sah zum Himmel zwischen den Dächern. Er wusste nicht, wie weit er noch würde gehen können, wenn die Straße vor der Stadt im Dunkeln voller Wagen war. Vor allem wusste er nicht, was er dort essen sollte.
»Für das, was Euer Helfer liegen lässt, würde mir eine Mahlzeit reichen.«
Der Mann strich mit der Hand über den Hals.
»Wir haben noch zwei von den Dingern. Und dann muss der Weg frei werden. Dafür könnte es reichen. Ich frage erst.«
Er ging in ein niedriges Gebäude am Rand des Hofs. Caspian setzte sich auf eine leere Kiste und stellte die Tasche zwischen die Füße. Aus dem Inneren hörte er eine kurze Unterhaltung; die Stimmen waren deutlich, die Worte zu unvollständig, um etwas daraus zu machen. Er wartete.
Als der Mann zurückkam, deutete er mit dem Daumen hinter sich.
»Essen am Abend. Unter dem Dach dort ist ein leeres Fach, wenn Ihr über Nacht bleiben wollt. Wollt Ihr?«
Caspian stand auf. »Ja.«
»Halm.«
Der Mann hielt ihm die Hand hin. Caspian nahm sie. Der Griff war trocken und fest.
»Raban«, sagte er.
Halm wiederholte den Namen nicht. Er zeigte auf den Durchgang und ging voran, weil die anderen beiden Rahmen noch immer dahinter standen.
Die beiden übrigen Rahmen brachten sie gemeinsam hinaus. Beim letzten warnte Halm ihn vor einem Absatz, den er im Rückwärtsgehen übersehen hätte. Danach blieb Caspian einen Moment mit geschlossenen Augen an der Wand stehen.
»Die Schulter?«
»Gestern Säcke getragen.«
Halm brachte Wasser. Er wartete, bis Caspian getrunken hatte, und nahm ihm den Becher ab.
»Setzt Euch hin. Wenn drinnen einer fragt, was wir noch machen, redet Ihr mit mir.«
»Worüber?«
»Sucht Euch etwas aus. Bloß setzt Euch hin.«
Caspian setzte sich. Aus der Hofstube konnte man nur Halms Rücken sehen. Der Mann stellte sich so, dass es aussah, als hätten sie etwas zu besprechen. Caspian mochte ihn dafür. Zugleich fragte er sich, für wie viele Leute Halm auf solche Weise einen Augenblick gewann und was davon am Ende des Tages für ihn selbst übrig blieb.
Aus der Hofstube kam eine Stimme, die wissen wollte, ob nun endlich der kleine Wagen durchkönne. Halm rief, er solle kommen, und trat aus der Spur.
»Habt Ihr in Eisenburg eine Stelle?«
»Noch keine.«
»Dann nehmt dort die erste, für die sie auch bezahlen. Manche brauchen Euch wochenlang nur zur Probe.«
»Ich möchte jemanden finden.«
Halm blickte auf seine Tasche, dann auf ihn.
»Hat der Euch Arbeit versprochen?«
»Nein.«
»Dann sucht besser nebenher.«
Er stellte den Becher zurück. Caspian sah ihm zu und hätte beinahe erklärt, weshalb seine Suche sich schwer neben irgendetwas anderem erledigen ließ. Der kleine Wagen wurde durch das Tor gezogen. Der Mann daran war froh über den freien Weg und bedankte sich bei Halm, der auf die nun ordentlich an der Wand stehenden Rahmen zeigte.
Caspian ließ die Erklärung unausgesprochen. Er wartete noch, bis sich sein Atem beruhigt hatte. Dann fragte er, was sie als Nächstes tun müssten.