Scriptis Verbis · Band 10 der Reihe
Ex scientia fides, ex fide ignis
Das dritte Praktikum · Der Hof von Kalandra
Auf der Passhöhe schlägt das Wetter um. Steinschlag trifft den Wagen, der Wegrand bricht, beide Pferde sind tot, der Fuhrmann Velkar ist verschwunden. William liegt mit verdrehtem Knöchel über dem Abbruch — ohne Wasser, ohne Vorrat, ohne Gepäck. Was folgt, sind Tage aus Handgriffen: eine Markierung aus drei Steinen, eine Tropfkante, ein zweiter Feuerversuch, der endlich trägt. Der Rauch bringt Yarvemra.
Sie hält allein ein Gehöft an einer gefassten Bergquelle — Ziegen, Terrassen, die Gräber ihrer Familie — und pflegt William wochenlang aus einem sichtbar knappen Vorrat. Ein Bekenntnis verlangt sie nicht. Sie spricht zu einer Welt, die keine Götter braucht, und führt darüber einen Streit mit ihm, den sie nicht gewinnen will. Zum Abschied gibt sie ihm ihren Gehstab und eine selbstgebrannte Tonscheibe mit eingeritzter Sonne. Neunzehn Tage nach der Meldefrist meldet William sich am Hofzugang von Kikazimeng.
Hier soll er sein drittes Praktikum antreten, unmittelbar unter dem Hochinquisitor. Nestravio Friagaralis steht am ersten Morgen allein vor der Tür, benennt Williams Befugnisse genau und macht im nächsten Satz aus jedem Einwand einen gemeinsamen Scherz. Befehle gibt er nie. Er verschiebt einen Wartebereich, eine Sitzfolge, eine Einladung — und der Hof ordnet sich neu, ohne dass ein Wort von Befehl oder Verfügung gefallen wäre. König Meralvon fragt genau und entscheidet eng; seine Furcht vor dem eigenen Hochinquisitor ist im Raum sichtbar.
Williams Arbeit bleibt klein: ein Lohnstreit, Lücken im Bestand der Bibliothek der Drei Flammen, ein Entgeltstreit ums Wasser, bei dem eine Unterschrift echt ist und trotzdem keine Wahl war. Er hat keinen Rang und keine Mittel, nur die Disziplin, zu trennen, was er gesehen, was ihm gesagt und was er nur vermutet hat. Das Schwert bleibt fast durchgehend in der Scheide. Ein ruhiger, umfangreicher Roman über Zuständigkeit, Zensur ohne Verbot und die Frage, was eine richtige Erkenntnis wert ist, wenn sie keine Handlung auslöst.
„Erfolg ist das einzige Recht, das am Ende nicht um Anerkennung bitten muss.“