Scriptis Verbis · Band 9 der Reihe
Scire ut sciaris
Das dritte Lehrjahr
Der Zug fährt in den Berg. In Williams Tasche liegt ein Band ohne Schloss, ohne Zeichen, ohne Namen — und er erkennt ihn wieder, ohne sagen zu können, woher. Hinter ihm liegen Portovica und alles, was die Küste von ihm verlangt hat. Vor ihm liegt die Festung des Wissens.
Das vergangene Lehrjahr hatte die Welt auf eine einzige Kunst verengt: ein Meister, drei Pulte, aus Enge wurde Tiefe. Dieses Jahr verlangt das Gegenteil. Ars Legis, Ars Medica, Ars Mensurae, Ars Armorum, Ars Sapientiae — fünf Wege, gebaut nach einer einzigen Überzeugung: Wer das Ganze nicht kennt, hat kein Recht am Teil.
Zwischen Vorlesungen, Klausuren und nächtlichen Gängen unter der Festung geht William einer Spur nach, die keine Prüfung von ihm verlangt. Zwei Bände, die einzeln unvollständig bleiben und sich erst gegenseitig lesbar machen. Ein Fest, das die Ordnung nicht bricht, sondern vollendet. Und ein Gast von außen — der berühmteste Maler seiner Zeit, der die Mächtigen porträtiert hat und ein Gesicht für einen Bericht hält: „Die meisten sind gefälscht.“
Am Ende des Jahres stehen die Prüfungen. Fünf Künste, fünf Urteile — und ein Wissen, das den, der es besitzt, seinerseits sichtbar macht.
„Wer das Ganze nicht kennt, hat kein Recht am Teil.“