Der Stand
Ordensritter
So heißt jeder, der für die Inquisition arbeitet — Wache, Schreiber, Beschauer, Provinzdienst. Vier Ränge, aufgestiegen wird durch Jahre, Bewährung und Verdienst. Der normale Arbeiter des Ordens.
Ihre Befehle sind Gesetz. Ihr einziger Vorgesetzter ist der Großkönig. Ihr Zeichen ist der goldene Rabe — und ihr eigentliches Reich ist das Wissen.
Gegründet im Jahr 623 der Neuen Zeitrechnung — die Gelehrten streiten, ob nicht schon die provisorischen Edikte von 619 ihr wahrer Anfang waren — ist die Hohe Inquisition der mächtigste Apparat des Großkönigreichs. Sie versteht sich als Hüterin der Ordnung und bietet, wie ihre Kritiker sagen, vor allem eines: die Illusion von Sicherheit in einer gewalttätigen Welt.
Ihr wirksamstes Werkzeug ist nicht das Schwert, sondern die Kontrolle des Wissens: verschleiert hinter Symbolen, Zeichen und Sprachen, die kaum noch jemand liest. Ein Inquisitor ist, mit den Worten des Ordens, ein wandelndes Gericht — ausgestattet mit der Macht über Leben und Tod. Und über allem steht der Grundsatz des Benennungsrechts, das ius nominandi:
„Wer benennen darf, der richtet.“
Das Recht
Die Inquisition wird nur tätig, wenn die lokalen Autoritäten unfähig, unwillig oder kompromittiert sind. Wo sie eingreift, hat vorher jemand versagt — oder gelogen.
Gegen das Urteil eines Inquisitors gibt es keine Berufungsinstanz. Wer es dennoch anficht, muss beweisen, dass nicht der Fall, sondern das Gericht verdorben war.
Die Leiter
Der Orden leistet nur ihm Folge — derzeit Nathanael Vivas, Haus Vivas.
Das oberste Gremium des Ordens, gebildet aus den Hochinquisitoren. Keine Einzelspitze — die Spitze ist der Rat.
Verwaltet den Orden im jeweiligen Königreich und ist sein direktes Sprachrohr zum dortigen König.
Leitet eine Zentrale, Stadt oder Region innerhalb eines Königreichs.
Ermittelt und vollstreckt im Ernstfall das Gesetz. Trägt den Titel ab dem ersten Felddiensttag — auch wenn er anfangs noch unter Aufsicht ausgebildet wird.
Lernt an der Akademie — sofern er das erste Jahr übersteht.
Quer zur Leiter, keine Stufen im engeren Sinn: die Ordensritter (Rang IV bis I, I ist der höchste), Richter & Kammern, Sonderermittler sowie Magister & Archivare.
Die Unterscheidung
Der Stand
So heißt jeder, der für die Inquisition arbeitet — Wache, Schreiber, Beschauer, Provinzdienst. Vier Ränge, aufgestiegen wird durch Jahre, Bewährung und Verdienst. Der normale Arbeiter des Ordens.
Der Dienstgrad
Der gehobene Dienstgrad derer, die ermitteln und vollstrecken — der Normalweg führt über die Akademie. Jeder Inquisitor ist ein hochgestellter Ordensritter; aber die meisten Ordensritter werden nie Inquisitoren.
Die Schmiede
Im Südwest-Gebirge, rund vier Tagereisen von Eisenburg, erhebt sich die Akademie aus dem Fels — eine Festung, keine Schule: Wehrmauern und Türme, ein Innenhof mit Brunnen für die morgendliche Waschung, eine schweigende Mensa, Bibliotheken und Archive, eine Arena. Selbst das Wissen ist hier rationiert — Regale hinter Ketten, Gittern und Verbotstafeln, und dahinter die Verbotene Bibliothek. Denn wer die Archive beherrscht, beherrscht die Wahrheit.
Die Ausbildung dauert gut ein Jahrzehnt: sechs Lehrjahre und sechs Praktika — das Lehrjahr folgt dem Kalender, das Praktikum dem Fall. Der Schwund des ersten Jahres ist brutal; oft besteht nur rund die Hälfte. Die Losung über allem:
„Im Gehorsam liegt Stärke. In der Disziplin liegt Freiheit.“
Aus dem berühmtesten der zehn Eide: „Wer diese Akademie betritt, stirbt für die Welt, die er gekannt hat … Es gibt keinen Weg zurück, nur den Weg nach vorn.“
Quinque Artes
Die fünf Künste sind die Stufen zur Vollendung — der Consummatio. Ab dem zweiten Lehrjahr wählt jeder Anwärter seine Spezialisierung; wer eine Kunst meistert, trägt den Titel Magister. Mehr als zwei Meisterschaften erreichten in der ganzen Geschichte nur eine Handvoll.
Kodex, Jurisdiktion, Beweis- und Verfahrenslehre — gelehrt im Geist Ordans, des Ersten Schreibers.
Anatomie und Forensik: eine Wunde lesen wie eine Schrift. Williams Wahl im zweiten Lehrjahr.
Rechnen, Mechanik, Stoffe und Beizen — bis zur jungen Chemie der Photographie.
Waffen- und Körperkunst nach der Torven-Schule. Denn das Schwert regiert diese Welt noch immer.
Logik, Ethik, Rhetorik, Menschenkenntnis — und die berüchtigte Philosophie des Zweifels.