Paginae de Parcae · Band 18 der Reihe
Ego Ipse, An Non?
Ich selbst — oder nicht?
Caspian de Varelli genießt seine Tage in Eisenburg. Er hat ein schönes Haus, einen aufmerksamen Gehilfen und genügend Gelegenheit, anderen seine Klugheit zu beweisen. Als Anwalt wird er um Rat gebeten. Die kleinen Unannehmlichkeiten des Lebens lassen sich meist delegieren. Alles scheint dafür zu sprechen, dass er seinen Platz gefunden hat.
Ein Streit um einen Tisch führt ihn jedoch zu einem Mann, dessen Problem sich nicht mit einer schönen Formulierung erledigen lässt. Ein Gelehrter will Herr über die Verwendung seiner Gedanken bleiben. In einem Gemeindehaus wird um die Bedingungen von Hilfe gerungen. Caspian kann scharf beobachten und gute Fragen stellen. Schwieriger ist es, eine Antwort auszuhalten, die nicht zu dem Menschen passt, den er sich schon zurechtgelegt hat.
Im Café begegnet er Adelvia. Sie hat Arbeit, eigene Ansichten und wenig Zeit dafür, ihn fortwährend seiner Besonderheit zu versichern. Gerade ihre Selbstverständlichkeit zieht ihn an. Ihre Gespräche werden zu einem Teil seines Tages, auf den er sich freut. Auch ein Junge, der seine Münztricks durchschauen will, fordert ihn auf eine Weise heraus, die ihm unerwartet gefällt. Caspian muss üben, scheitern und noch einmal anfangen. Der kleine Erfolg ist ihm dadurch nicht weniger wert.
Aus Begegnungen werden Gewohnheiten. Menschen widersprechen ihm, bringen ihn zum Lachen und machen es ihm schwerer, sich mit der eigenen Überlegenheit zufriedenzugeben. Ein menschliches Leben scheint möglich, mit Genuss und Arbeit, Ärger und Nähe. Caspian möchte es für sich haben.
Doch seine Wahrnehmung wird unzuverlässig. Verstörende Augenblicke lassen sich nicht einfach abschütteln; die Angst greift in Gespräche und Entscheidungen ein. Selbst dort, wo er sich geborgen fühlte, verletzt er andere oder findet keine Worte für das, was ihm geschieht. Der Versuch, wieder Gewissheit zu erlangen, führt ihn immer näher an die Frage, worauf sein Bild von sich selbst eigentlich beruht.
Ego Ipse, An Non? setzt Caspians Geschichte mit Humor, philosophischem Streit und wachsendem Schrecken fort. Der Roman erzählt davon, wie Menschen einander verändern, wie Hilfe zur Bevormundung werden kann und wie schwer es ist, eigene Entscheidungen zu treffen, wenn man dem eigenen Urteil nicht mehr sicher traut.
„Ein menschliches Leben scheint möglich, mit Genuss und Arbeit, Ärger und Nähe. Caspian möchte es für sich haben.“