Gesamtband 21 · Scriptis Verbis 13
Magister Non Nascitur
Vom letzten Praktikum in ein eigenes Leben
Im nördlichen Grenzgebiet wartet Williams letzter Ausbilder auf ihn. Terenz Althagen hat die Zuweisung zunächst abgelehnt. Nun soll William mit einem Mann arbeiten, der von Ort zu Ort reist, Kranke behandelt und Untersuchungen übernimmt, ohne zu wissen, ob der nächste Auftrag seine Ausgaben decken wird. Der erste Eindruck ist wenig verheißungsvoll. Terenz ist müde, ungeduldig und schwer zu beeindrucken.
William kommt mit guten Gründen für sein Selbstvertrauen. Er hat gelernt, gelehrt und bereits außerhalb der Akademie Verantwortung getragen. Er will arbeiten und an dieser Arbeit beurteilt werden. Terenz wiederum hat wenig Zeit und möchte seine Arbeit nicht ständig für Erklärungen unterbrechen. Dass beide etwas voneinander lernen können, müssen sie erst in ihrer Zusammenarbeit erfahren.
Ihre Wege führen zu Menschen, für die ein verlorener Gegenstand, eine Beschuldigung oder eine Verletzung den ganzen Alltag verändern kann. William prüft Aussagen, hört zu und widerspricht. Manchmal gelingt es, Klarheit zu schaffen, und trotzdem bleibt etwas beschädigt. Er muss damit umgehen, dass sein Auftrag enden kann, während die Menschen noch lange mit dem Ergebnis leben. Zugleich erkennt er die Grenzen seines Ausbilders: Wer anderen hilft, ist deshalb nicht vor eigenen Fehlurteilen geschützt.
An Terenz erlebt William auch die Bedingungen eines Berufs, den er selbst wählen möchte. Ein selbstständiger Sonderermittler verfügt über seine Arbeit, muss aber von ihr leben. Zeit, Reisewege und Geld lassen sich nicht unbegrenzt einsetzen. Die Frage, was er für andere tun kann, berührt deshalb immer stärker die Frage, welche Art von Leben er selbst führen will.
Bethany gehört zu dieser Zukunft. Ihre Liebe muss zwischen unterschiedlichen Wünschen bestehen: William möchte reisen und forschen; Bethany will ihre eigene medizinische Arbeit tun und an einem Ort auch bleiben können. Seraphina bringt weitere Fragen in den gemeinsamen Aufbruch ein. Aus Freundschaft entsteht die Aufgabe, Arbeit, Geld und Nähe miteinander zu teilen, ohne die Selbstständigkeit der anderen aufzugeben.
Neue Begegnungen eröffnen ihnen Räume, in denen sie ihre Kenntnisse gebrauchen und erweitern können. William findet Freude an schwierigen Fragen und an Menschen, die ihm begründet widersprechen. Bethany verfolgt, was aus einer Behandlung im Leben der Kranken wird. Seraphina geht ihren eigenen Nachforschungen nach. Daneben gibt es gemeinsame Mahlzeiten, Spiele, Streit und die mühsame Gewohnheit, auch einmal Feierabend zu machen.
Magister Non Nascitur führt William Allaway von der letzten Lehrzeit in eine selbst gewählte Existenz. Ein philosophischer Fantasyroman über Können und Urteil, über schwierige Vorbilder und die Verantwortung füreinander, auch dort, wo eine gute Absicht keine einfache Antwort mehr erlaubt.
„Wenn Ihr anderer Meinung seid, sagt es. Möglichst, bevor ich deswegen etwas Falsches tue.“