Gesamtband 20 · Paginae de Parcae 8
Quod Eramus, Quod Sumus
Verlust, Zugehörigkeit und die eigene Identität
Caspian de Varelli ist in Krasnoyang angekommen. Die rote Festung steht über den Dächern der Hafenstadt, doch auf seine Fragen erhält er keine brauchbaren Antworten. Er sucht nach Menschen, die ihm weiterhelfen könnten, nimmt kleine Arbeiten an und wartet auf eine Gelegenheit. Seit Ansels Verlust fällt es ihm immer schwerer, an den Sinn dieses Wartens zu glauben.
Mit dem Geld schwindet auch seine Kraft. Ein Zimmer, ein Essen, ein Kleidungsstück, das noch warm hält: Was früher selbstverständlich war, wird zum täglichen Problem. Caspian kennt seine Fähigkeiten und ist stolz auf seinen Verstand. Trotzdem braucht er Hilfe.
Er findet sie bei einem Bettlerkönig und den Menschen, die mit ihm unter einem undichten Dach leben. Dort muss Platz geschaffen, gearbeitet und geteilt werden. Bronisja sorgt dafür, dass niemand die Mühe hinter einer Schüssel Suppe vergisst. Danyao hat eigene Geschichten und möchte sie auch erzählen dürfen. Caspian kann sie zum Lachen bringen, vor den Kopf stoßen oder mit einem unbedachten Wort verletzen. Je vertrauter ihm diese Menschen werden, desto weniger lassen sich ihre Wünsche überhören.
In den Tagen am Hafen liegt die Möglichkeit eines neuen Anfangs. Caspian erfährt, was es heißt, gebraucht zu werden, Hilfe anzunehmen und nach einem Streit wieder nebeneinanderzusitzen. Die Erinnerung an Ansel begleitet ihn dabei. Sie kann ihm Halt geben und ihn im nächsten Augenblick so sehr treffen, dass er nichts mehr von seiner Umgebung hören will.
Doch die Suche nach der roten Festung ist nicht erledigt. Als Caspian ihr erneut folgt, muss er sich einer Vergangenheit stellen, auf der viel mehr von seinem Leben beruht, als er bisher begreifen konnte. Die Frage, wie er weiterleben will, lässt sich immer schwerer von der trennen, wer er eigentlich ist.
Quod Eramus, Quod Sumus setzt Caspians Geschichte mit menschlicher Nähe, rauem Humor und wachsendem Unbehagen fort. Ein Roman über Verlust und Verantwortung, über die Zumutungen des Zusammenlebens und die Freiheit, sich zu verändern.
„Und wenn niemand etwas tut, weil keiner alles weiß?“